Informationen aus dem Vorstand
Lieber Mitglieder
Wir haben uns sehr gefreut, mit so vielen von euch unsere Generalversammlung und Diskussionssitzung in Chur im Februar zu gestalten. An zwei Tagen haben wir – über die klassischen Verbandsinhalte hinaus – in Vorträgen, Diskussionen und persönlichen Gesprächen neue Perspektiven erarbeitet. Der historische Rahmen des Rittersaals und die Gastfreundschaft des Bischofs von Chur waren dabei ein wesentliches Element.
Nachdem wir an der GV das vergangene Jahr Revue passieren liessen, haben sich viele Fachgruppensprecher:innen und Delegierte zu Wort gemeldet und unserer Berufsgemeinschaft ein sehr aktives 2025 in Aussicht gestellt.
Neben der mittlerweile etablierten Präsenz der Tage des Denkmals, die in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege in Zürich organisiert werden, etabliert sich auch der Tag der Restaurierung mehr und mehr in der Herbstsaison. Hier seid ihr – institutionelle und freischaffende Mitglieder – dazu aufgerufen, mit Unterstützung des Organisationsteams eure Veranstaltung zu organisieren und damit individuell oder als Gruppe zur Wahrnehmung unseres Berufes beizutragen.
Als weiteres Event organisieren wir, die HKB, der SKR und das E.C.C.O.-Präsidium am 13. Juni den CHARTER-Day. Hierbei handelt es sich um ein Informations- und Netzwerk-Event, um die Projektresultate der CHARTER Initiative zu präsentieren und berufliche Gruppen im Bereich Kulturerbe zu vernetzen.
Eine weitere Kooperation wurde mit der Initiative Cultural Heritage Needs Continuous Care gestartet, die unter der Schirmherrschaft der SUPSI mit verschiedenen Partner-Institutionen ins Leben gerufen wurde. Auch hier geht es um eine kompetenzübergreifende Zusammenarbeit, um die Betreuung von Baukultur durch Regelmässigkeit und strategischem Planen zu verbessern. Wir freuen uns besonders, dass unsere Fachgruppe Architektur & Denkmalpflege hierbei eine zentrale Rolle übernehmen wird.
Ein besonderes Highlight nach der GV und der Präsentation von drei hervorragenden Masterarbeiten des Swiss CRC war das gemeinsame Abendessen in der Hofkellerei mit 40 unserer Mitglieder. Die großen Tische waren voller Gespräche, die den regen Austausch zwischen Generationen und Landesteilen bezeugten, und neben dem bündnerischen Essen sowie dem guten Wein im Vordergrund standen.
Der zweite Tag unserer Zusammenkunft im Rittersaal stand unter dem Titel “Konservierung-Restaurierung: Beruf(ung) in der Selbständigkeit”. Organisiert unter der Leitung der „Groupe Indépendant“ wurden die Herausforderungen und Möglichkeiten der Selbständigkeit diskutiert. Besonderes Augenmerk fand die unhaltbare Tiefpreiskonkurrenz in mancher Regionen und Spezialisierungen, die strategische Berechnung von Honorar Ansätzen, sowie die notwendige Professionalisierung der meist weniger geschätzten administrativen Tätigkeiten.
Sieben Vorträge (Download) lieferten verschiedenen Perspektiven auf die Thematik:
Dr. Christiane Schillig, Geschäftsführerin unseres deutschen Partnerverbands VDR, sprach über die Entwicklung, Veröffentlichung und Anwendung von Honoraransätzen bei den deutschen Kollegen. Sie erläuterte die Strategien und Problemstellungen, die der VDR in diesem Prozess umsetzte und zu meistern hatte. Ferner wies sie darauf hin, dass der Verband eine wichtige Rolle spielt, um die Mitglieder dabei zu unterstützen, ihre Verwaltungskompetenzen für die Selbstständigkeit zu stärken.
Aus der Perspektive selbständig Tätiger hat Nadine Reding Wege und Strategien aufgezeigt, die notwendig sind, um ein Unternehmen für Konservierung und Restaurierung in einem schwankenden Kontext aufzubauen, in dem auch private Rahmenbedingungen eine Rolle spielen. Sie hat die Bedeutung einer konsequenten und umfassenden Kalkulation der anfallenden Kosten – abhängig von der Wahl des potenziellen Endgehalts – hervorgehoben, um diese in den Stundensatz einfliessen zu lassen.
Danach teilte Sébastien Grau die Erfahrungen vom Einstieg in die Selbständigkeit der Gruppe Meta META Sàrl. Dieser Zusammenschluss von vier Restaurator:innen mit verschiedenen Spezialisierungen ist seit einigen Jahren in der Romandie aktiv. In einer horizontalen Hierarchie teilen sie neben der Infrastruktur auch die Verantwortung für ihre Unternehmung. In seinen Schilderungen stellte er zudem einen Unterschied von etwa 20 % zwischen den in Rechnung gestellten Stunden und den tatsächlich geleisteten Stunden fest – eine Realität, die sicherlich kein Einzelfall ist.
Im Anschluss präsentierte Maria Mazza von Mazza Restauri ihre Erfahrungen in der Doppelrolle als Architektin und Konservatorin-Restauratorin (SUPSI) in der italienischsprachigen Schweiz. Sie hebt hervor, dass es in dieser Region schwierig ist, ausreichend finanzielle Mittel zu finden, um die Arbeit der Fachkräfte im Bereich Konservierung und Restaurierung zu decken. Dies führt in vielen Fällen zu erheblichen Verzögerungen zwischen eingereichten Kostenvoranschlägen und der Durchführung der Arbeiten.
In einem weiteren Segment kamen die Vertreter:innen des Swiss-CRC zu Wort. Während Laura Brambilla, Leiterin des Fachbereichs Konservierung-Restaurierung an der He-Arc in Neuchâtel, die Perspektive der AusbilderInnen darstellte, präsentierten Alina Schmid und Lukas Schaad aus der Interessensgruppe Ausbildung eine Umfrage unter den Studierenden zum Thema Selbstständigkeit. Beide Präsentationen zeigten auf, dass eine stärkere Zusammenarbeit mit dem SKR gewünscht und notwendig ist, um den neuen Generationen einen starken und eigenständigen Start in die Berufswelt zu ermöglichen.
Zum Abschluss stellten Annick Simon und Aline Michel die derzeitigen und zukünftigen Schwerpunkte der „Groupe Indépendant“ vor, zu denen die Vorbereitung einer Umfrage zur aktuellen Situation von Selbstständigen und Angestellten, Lobbyarbeit bei Institutionen sowie die Entwicklung von Materialien und Workshops für den Einstieg in die Selbstständigkeit gehören.
In der Diskussion am Nachmittag wurden wichtige Details, die die Honoransätze beeinflussen, jedoch oft nicht berücksichtigt werden, thematisiert. So beispielsweise eine Risikoeinlage, eine realistische Anzahl von Krankheitstagen – inklusive solcher wegen erkrankter Kinder – sowie Weiterbildungstage. In der Vergangenheit wurden große Unterschiede in Gehältern und Honoraren in Abhängigkeit von Regionen und Fachgebieten festgestellt, und diese bestehen weiterhin. Zudem wird der Honorartarif häufig mit dem Gehalt verwechselt.
Ein weiteres Thema drehte sich um die verschiedenen Unternehmensmodelle des Einzelunternehmers und der GmbH. Es wurden unterschiedliche Ansichten zur Risikominimierung durch das GmbH-Modell geäußert, wobei mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass eine GmbH nicht in jedem Fall vor Rechtsansprüchen schützt. Eine Rechtsschutzversicherung ist für jede Unternehmensform unabdingbar! Nicht zuletzt wurde gefordert, den Mitgliedern mehr Standarddokumente zur Verfügung zu stellen, wie beispielsweise AGB-Vorlagen und oder auch Tabellen zur Berechnung von Honoraransätzen.
Die gemeinsamen zwei Tage im Bischofsschloss haben uns einen tollen Austausch mit guten Gesprächen, vielen Denkanstössen und eine Erfrischung unseres gemeinschaftlichen Tatendrangs ermöglicht. Wir danken Euch für Eure rege Teilnahme und freuen wir uns, Euch bei den nächsten Veranstaltungen wiederzusehen.
Euer Vorstand